HEIDE. Das Umweltministerium des Landes Schleswig-Holstein hat mit Erlass vom 21. März 2017 Kriterien für eine Lockerung der seit Mitte November 2016 bestehenden landesweiten Aufstallungspflicht für Geflügel bekanntgegeben. Danach kann nördlich des Nord-Ostsee-Kanals unter bestimmten Voraussetzungen Geflügel ab dem 25. März 2017 wieder unter freiem Himmel gehalten werden. Die Entscheidung liegt jetzt bei den Kreisen und kreisfreien Städten. Der Kreis Dithmarschen hat eine dem Erlass entsprechende Risikobewertung vorgenommen und wird zum Schutz der Bestände keine Ausnahmen von der Aufstallungspflicht zulassen. Landrat Dr. Jörn Klimant: „Wir haben alle relevanten Faktoren sehr sorgfältig geprüft und gegeneinander abgewogen. Im Ergebnis würde, bis auf wenige zentral gelegene Gemeinden, eine Fläche von über 90 Prozent des Kreisgebietes unter die Aufstallungspflicht fallen. Auf dieser Grundlage ist eine andere Entscheidung als weiterhin kreisweit aufzustallen der Öffentlichkeit und insbesondere den Geflügelhalterinnen und -haltern kaum zu vermitteln. Wie lange die Aufstallungspflicht in Dithmarschen gilt, werden wir insbesondere vom weiteren Vogelzuggeschehen abhängig machen. Hier wird in den kommenden Wochen ein deutlicher Rückgang eintreten.“

Zur inhaltlichen Begründung ein Vorab-Auszug aus der am 25. März 2017 amtlich bekanntzumachenden Allgemeinverfügung des Kreises Dithmarschen:

„Gemäß § 13 Abs. 1 Geflügelpest-Verordnung ist eine Aufstallung des Geflügels von der zuständigen Behörde anzuordnen, soweit dies auf Grundlage einer Risikobewertung zur Vermeidung der Einschleppung oder Verschleppung der Geflügelpest durch Wildvögel erforderlich ist.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) empfiehlt in seiner Risikoeinschätzung vom 13. Februar 2017 weiterhin mindestens eine risikobasierte Aufstallung in Regionen mit hoher Wasservogeldichte, in der Nähe von Wildvogelrast- und Wildvogelsammelplätzen, bei hoher Geflügeldichte und um bestehende HPAIV-Fundorte.

Diese bundesweit einheitlichen Kriterien sollen bei der Entscheidung nach § 13 Abs. 1 und 2 der Geflügelpest-Verordnung in Schleswig-Holstein als landesweit einheitliche, fachliche Mindestanforderungen bei der Festlegung des Umfangs risikobasierter Teilaufstallung angewendet werden.

Auf Grundlage der Risikoeinschätzung des FLI vom 13. Februar 2017 sowie einer ornithologischen Bewertung des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume(LLUR) und der Risikobewertung für das Gebiet des Kreises Dithmarschen wird die Aufstallung gemäß § 13 Abs. 1 und 2 Geflügelpest-Verordnung weiterhin aufrechterhalten.

Weite Teile des Kreisgebietes umfassen neben den ganzjährig bedeutsamen ornithologischen Gebieten die über Mitte März hinaus verbleibenden Vogelrastgebiete sowie Hauptflugkorridore von Zugvögeln. Zudem weist der Kreis Dithmarschen im Landesvergleich mit rd. 500.000 Tieren eine hohe Geflügeldichte auf. Sie beträgt in weiten Teilen des Kreisgebietes mehr als 500 Stück Geflügel pro km². Darüber hinaus bestehen weiterhin gemäß Geflügelpest-Verordnung eingerichtete Restriktionsgebiete durch positive Befunde. Auch werden derzeit weitere Verdachtsfälle untersucht.

Geflügelpest der Subtypen H5N8 bzw. H5N5 wurden seit November 2016 bei verendeten Wildvögeln im Kreisgebiet in mehreren Fällen, zuletzt am 20.03.2017, nachgewiesen. Des Weiteren wurde in mehreren Hausgeflügelbeständen im Kreisgebiet ein niedrigpathogenes aviäres Influenza-A-Virus des Subtyps H5 (Influenzavirus) nachgewiesen. Subtypen dieses Virus können zu hochpathogenen aviären Influenzatypen mutieren und so die Geflügelpest auslösen.

Mit dem Nachweis von hochpathogenem aviärem Influenzvirus H5N8 bzw. H5N5 in mehreren Wildvögeln ist belegt, dass das Virus in der Wildvogelpopulation vorhanden ist. Eine weitere Verbreitung durch Wildvögel insbesondere auch durch aasfressende sowie infizierte aber nicht erkrankte Wildvögel, auch über Kreisgrenzen hinaus, ist sehr wahrscheinlich.

Es ist weiterhin zu befürchten, dass es durch infizierte Wildvögel zu einer Einschleppung in die Nutztierbestände kommt, da es sich bei diesem Erreger um einen hochansteckenden Typ handelt.“

Die neu geregelte Aufstallungspflicht für den Kreis Dithmarschen tritt am 26. März 2017 in Kraft und gilt bis auf Weiteres.
Autor: Pressestelle, 24.03.2017 
Quelle: Kreis Dithmarschen