Auszug - Verwertung der Bioabfälle als Kompost in der Landwirtschaft  

Sitzung des Agrar- und Umweltausschusses
TOP: Ö 3
Gremium: Agrar- und Umweltausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mi, 31.01.2018 Status: öffentlich
Zeit: 17:00 - 18:38 Anlass: Sitzung
Raum: Kreistagssitzungssaal
Ort: Stettiner Straße 30, 25746 Heide
2018/0282 Verwertung der Bioabfälle als Kompost in der Landwirtschaft
     
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Informationsvorlage
Federführend:Fachdienst Wasser, Boden und Abfall Bearbeiter/-in:Dr. Eilers, Jürgen
 
Wortprotokoll

Zum Einstieg in die Thematik erläutert Herr Sieger von der Abfallwirtschaft Dithmarschen (AWD) zum einen die gesetzlichen (Kreislaufwirtschaftsgesetz) und zum anderen die vertraglichen Grundlagen der Bioabfallsammlung. Der Kreis Dithmarschen hat als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger einen Abfallmanagementvertrag mit der AWD geschlossen, die als Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung mittels Betreibervertrag die Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft REMONDIS-Petersen-Timm (ARGE) übertragen hat. Die ARGE wiederum hat die Kompost,-Bauschutt-und Altstoff T&T GmbH und Co. KG (KBA) vertraglich mit der Kompostvermarktung beauftragt.

hrend der Grünabfall (Tannenbaum, Strauchschnitt) in den letzten Jahren rückufig ist, hat sich der Bioabfall dagegen positiv entwickelt. In Dithmarschen hat die AWD einen Anschlussgrad von knapp unter 90 vom Hundert bei der Biotonne. Das Abfallvolumen an Bioabfällen beziffert Herr Sieger auf fast 93.000 m3/Jahr. Er bezeichnet die Biotonne als festen Baustein in der Abfallwirtschaft. In Dithmarschen hat die AWD 39.000 60-Liter-, 7.000 120 Liter- und 240 1.500 Liter-Behälter ausgegeben. Abschließend erläutert Herr Sieger die Bioabfallverwertung in Dithmarschen und nimmt zu Fragen der Ausschussmitglieder Stellung (warum im Jahre 2013 bei der Bioabfallmenge ein Einknicken zu verzeichnen ist, ob der Pferdedung als landwirtschaftlicher Abfall eingestuft wird).

Der Geschäftsführer der AWD, Herr Dirk Sopha, geht in dem weiteren Vortrag auf die Bioabfallverwertung in Schleswig-Holstein ein. Er stellt einige Entsorgungsbetriebe vor, in denen Bioabfälle verarbeitet und der daraus hergestellte Kompost vermarktet werden. Er beantwortet ebenfalls Fragen der Abgeordneten.

Die Frage, ob die novellierte Düngeverordnung Auswirkungen auf den Betrieb dieser Kompostwerke in Schleswig-Holstein und die Vermarktungssituation haben wird, beantwortet Herr Sopha mit ja. Wann diese Auswirkungen aber eintreten werden, ist gegenwärtig nicht abzusehen.

Der Vortrag von den Vertretern der AWD ist dem Protokoll als Anlage beigefügt.

 

Anschließend übernimmt Herr Masch von der KBA das Wort. Die Vorgaben, wie und wann in der Landwirtschaft gedüngt werden darf, wurden durch die neue Düngeverordnung verschärft. Ziel ist es, die Effizienz der Düngung zu erhöhen, mögliche Beeinträchtigungen von Grundwasser und Oberflächengewässern und die Ammoniakemissionen aus landwirtschaftlichen Quellen zu verringern. Die Regelung der Düngermengen vor dem Hintergrund des Düngerbedarfs hält er für einen guten Ansatz, aber speziell für den Einsatz von Komposten mit problematischer Umsetzung in der Düngeverordnung.

r organische Düngemittel gelten nach der Düngeverordnung 170 kg-Stickstoff/ha als betriebliche Aufbringungsobergrenze. Dies zwingt die Landwirte, eine Düngebedarfsermittlung durchzuführen. Ab einer gewissen Betriebsgröße müssen die Landwirte zusätzlich anhand einer Stoffstrombilanz einen Nährstoffvergleich führen.

Der für das Pflanzenwachstum verfügbare Stickstoffanteil aus Bioabfallkomposten dürfe dabei nur mit 15 % aus der Summe von vier Jahren angerechnet werden. In der aktuellen länderübergreifenden Diskussion zur Höhe der Anrechnung der Stickstoffgehalte sind jedoch Werte von 30 % bzw. sogar 50 % im Umlauf.

In seinen weiteren Ausführungen stellt Herr Masch die Auswirkungen dieser Neuregelung auf die Vermarktung auf die Bioabfallkomposte dar. Die zwei im deutschen Düngerecht festgelegten Ziele zur Verminderung von Nährstoffverlusten und zur Bodenverbesserung können unter Umständen miteinander in Konflikt geraten, wenn die Verwendung von Kompost aufgrund neuer düngerechtlicher Anforderungen stärker eingeschränkt wird.

Frisch- und Fertigkompost müssen sehr viele Qualitätsanforderungen erfüllen, bevor sie vermarktet werden dürfen. Diese Qualitätsanforderungen werden in der KBA sichergestellt und der dort vermarktete Kompost hat einen großen Zuspruch in der Landwirtschaft. Die landwirtschaftliche Verwendung des Komposts stellt durch die Verwertung der Nährstoffe und die Humuserhaltung das Ziel der Kreislaufwirtschaft durch stoffliche Weiterverwertung sicher. Die Novelle der Düngeverordnung betrifft auch die Kompostanwendung in der Landwirtschaft und kann diese stark einschränken, bzw. nach Ansicht von Herrn Masch sogar vom Markt verdrängen. Die Lager drohen über zu laufen, was in einem Stopp für die Bioabfallsammlung enden könnte. Mögliche Auswirkungen auf die Vermarktung der Bioabfallkomposte werden vom Referenten dargestellt. Die Präsentation von Herrn Masch ist dem Protokoll als Anlage beigefügt.

 

Alternativen zur landwirtschaftlichen Nutzung sind vorhanden (z. B. im Landschaftsbau), aber aufgrund der teilweise doch recht langen Wegstrecken zu geeigneten Erdwerken unrentabel. Auch eine Verwendung als Torfersatz im gärtnerischen Bereich rentiert sich nicht, da die Herstellungskosten für Bioabfallkomposte deutlich über den Kosten für den Abbau von Torf liegen.

Im Zusammenhang mit dem Stichwort „Torfabbau“ weist Frau Hilbrecht darauf hin, dass der Abbau den in den Moosen in den Vorzeiten gespeicherten Kohlenstoff wieder freisetzt und sich dadurch negativ auf die Klimabilanz auswirke. Sie schlägt deshalb vor, dass sich der Klimaschutz mit dieser Thematik einmal näher befassen möge. Herr Malerius greift diesen Hinweis auf und unterbreitet in Richtung von Herrn Masch den Vorschlag, die positiven Klimaeigenschaften von Komposten in die zukünftigen Vermarktungsstrategien mit aufzunehmen und den Verbrauchern deutlich zu machen.

Auf die Frage, ob das Jakob-Kreuz-Kraut mit in den Humus kommen könnte, antwortet Herr Masch, dass er dies ausschließt. In dem in der KBA produzierten Kompost gibt es keine keimfähigen Unkrautsamen. Der Kompost sei bei Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius hygienisiert. Dies ist u.a. auch auf die Handsortierung in der KBA und auf den dort angewandten Rottegrad 5 zurückzuführen (höchste Qualitätsanforderungen). Der in Bargenstedt hergestellte Kompost ist problemlos überall einzusetzen. Dieser Substratkompost wird nur dort produziert und sonst nirgendwo in Schleswig-Holstein.

 

Herr Sopha macht darauf aufmerksam, dass in den Bereichen mit den Lilafarbenen Kreisen auf der zweiten Folie (mittlerer Nitratgehalt > 50 Milligramm/Liter) Viehhaltung vorherrsche und somit verstärkt Gülle und Gärreste aufgebracht werde. Entspannter ist die Lage in den Bereichen mit Ackerbau. Daher kämen gerade Flächen in Ostholstein und Mecklenburg-Vorpommern für die Vermarktung in Frage.

Die anwesenden Landwirte aus dem Ausschuss bestätigen auf Nachfrage, dass sie sich mit der Gülleausbringung derzeit zurück halten, weil sie nicht genau wissen, wie sie mit der Düngeverordnung umgehen sollen. Hinzu kommt, dass die Böden derzeit aufgrund der Witterungsbedingungen nicht befahrbar sind.

 

Auf die Frage nach dem Abfallwirtschaftskonzept für den Zeitraum 2020 2024 antwortet Herr Sopha, dass die AWD im III. Quartal 2018 mit den vorbereitenden Arbeiten beginnen wird. Die Politik werde, wie in den vergangenen Jahren praktiziert, mit eingebunden und gemeinsam würden Handlungsbedarfe herausgearbeitet werden. Die heute angesprochene Thematik wird bei der Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzepts berücksichtigt werden.