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27. Dithmarscher Kohltage: Kohlgärtner oder Klapperstorch: Wer bringt die Kinder?

DITHMARSCHEN (pid). Der Schornsteinfeger bringt Glück, der Storch die Kinder und der Gärtner den Tod. So jedenfalls sieht es der deutsche Volksmund, der am liebsten, wenn man Heinrich Heine glaubt, Sauerkraut verzehrt. Ganz anders sieht die Rollenverteilung jenseits des Rheins aus, im Elsass etwa, wo gleichfalls das knackige Kraut kultiviert und die entsprechende Kultur gepflegt wird. Dort kümmert sich der Gärtner um das Lieblingsgemüse, das jedoch nicht nur Vitamine liefert, sondern auch den ersehnten Stammhalter. Franzosen warten nicht auf den Meister Adebar. Madame und Monsieur statten ihrem jardinier, dem Herrn Gärtner, einen Besuch ab und kommen mit ihrem baby chou, dem Knaben aus dem Kohl, zurück. Jeunes filles, die Schwesterchen, pflückt man vom Rosenstrauch.
 
Es sind liebenswerte Postkartenmotive aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, die die Geschichten vom Nachwuchs erzählen. Je nach Adressat oder Absender wird die Herkunft der Knaben und Mädchen ins Bild gesetzt. Sind es bei den Schreitvögeln die Wanderungen, die sie Jahr für Jahr mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks aus der Ferne ihre schleswig-holsteinische Heimat ansteuern lässt, verbinden die Franzosen andere Assoziationen mit ihrem Kohl.
 
Da wird zum einen angedeutet, der Kohlkopf habe Ähnlichkeit mit einem schwingenden Reifrock, der in allen Gesellschaftsschichten ein übliches Kleidungsstück war und so manches süße Geheimnis verbarg. In Günter Grass Roman „Die Blechtrommel“ sitzt die Großmutter des Erzählers auf einem Feld mit brennenden Krauthaufen und verbirgt unter ihrem Rock den Herrn Koljaizek vor den Augen der Gendarmen. Aber das ist eine andere Geschichte.
 
Dithmarscherinnen und Dithmarscher, die schon vor der grünen Revolution des Wesselburener Gärtners Eduard Lass, ihren Kohl im Bauerngärtchen sorgsam gepflegt haben, wissen um die zahlreichen Vitamine und Phytamine, die in der „Zitrone des Nordens“ stecken. Franzosen vertrauen auf eine befruchtende Wirkung des magischen Krauts und legen bei passender Gelegenheit ein Blatt desselben unter das Kopfkissen im Brautbett.
 
Die Grenze zwischen Schulmedizin und Volksweisheit verschwimmt im Nebel der Überlieferung. Was bleibt, sind – im Fall der Knaben aus dem Kohlfeld - auf jeden Fall die alten farbigen Postkarten mit den gestochen scharfen Gesichtern der kleinen Persönchen. Im Kreis Dithmarschen wurden im vergangenen Jahr 942 Jungen und Mädchen ohne Zutun des Storches entbunden. Das ist bekannt. Trotzdem wird die Mär des hochbeinigen Freundes Adebar als Postillon d’amour auch zwischen Elbe und Eider gepflegt. Wer einen Blick auf die wohl bestellten Gärten der Franzosen wirft mit ihren liebenswerten Kerlchen, die darauf warten, schnell eingesammelt zu werden, wird die Felder im größten geschlossenen Kohlanbaugebiet Europas mit anderen Augen betrachten.
 
Info: Dithmarschen Tourismus, Markt 10, 25746 Heide, Telefon: 0481/2122-555, Fax: 0481/2122-550, info@echt-dithmarschen.de; www.dithmarscher-kohltage.de; www.echt-dithmarschen.de 
 
14.03.2013
Autor/in: Pressestelle
Quelle: Kreis Dithmarschen

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