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Ein Möbel und seine Geschichte: Eine Odyssee von 1.500 Kilometern

MELDORF (pid). Der "Dithmarscher Renaissanceschrank mit kassettierten  Türen, Engelsköpfen im Fries und Löwenkonsolen", über den die Frankfurter Allgemeine am 10. De-zember 2009 berichtete, fand keinen Käufer beim Münchener Auktionshaus Ruef. Statt der ausgelobten 6.500 Euro kam vom Auktionator der Rat, sich direkt an das Dithmarscher Landesmuseum zu wenden. Von dort war das kostbare Möbel 1895 verkauft worden und schlussendlich nach Bayern gelangt. Mit einer großzügigen Unterstützung der Fielmann AG kehrte das Schaustück aus dem 17. Jahrhundert wohlbehalten in seine Museumsheimat an die Bütjestraße 2-4 zurück. Landrat Dr. Jörn Klimant: "Das war eine Odyssee von gut 1500 Kilometern."

 

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Fachsimpeln vor einem wertvollen Neuerwerb des Dithmarscher Landesmuseums in Meldorf (von links): Landrat Dr. Jörn Klimant, Museumsleiterin Dr. Jutta Müller, Fielmann-Filialleiter Michael Brohmann, Kunsthistoriker Jürgen Ostwald (Fielmann-Museumsschenkungen)

 

Im Frühjahr 2010 wurde dem Dithmarscher Landesmuseum ein Renaissanceschrank aus Dithmarschen zum Kauf angeboten. Er befand sich damals in süddeutschem Privatbesitz. Wie sich herausstellte, war dieser Schrank 1895 durch Vermittlung des damaligen süderdithmarscher Landrats Peter Junker Jürgensen (1885-1897) und des damaligen Museumsdirektors Johannes Goos an den mit Jürgensen verwandten Landrat in Tondern verkauft worden. Vorher hatte er sich in einem Bauernhaus in Odderade befunden.

Später erbte ihn Jürgensen, in dessen Familie der Schrank im Verlauf von mehr als hundert Jahren von Tondern bis nach Bad Feilnbach gelangte. Museumsleiterin Dr. Jutta Müller: "Mit Hilfe der großzügigen Unterstützung der Fielmann AG konnte der Schrank für das Dithmarscher Landesmuseum erworben werden und kehrte so nach 115 Jahren 'Exil' für den Transport in Einzelteile zerlegt und sicher verpackt nach Dithmarschen zurück. Hier wurde er vom Restaurator wieder aufgebaut."

Der Schrank, entstanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ist stilistisch der Spätrenaissance zuzuordnen. Entstanden ist er nicht in Dithmarschen, vielmehr wurde er aus den nördlichen Niederlanden importiert, mit denen die wohlhabenden Dithmarscher Getreidebauern in dieser Zeit rege Handelsbeziehungen unterhielten.

Dr. Müller: "Man exportierte Getreideüberschüsse, die vor allem durch die fruchtbaren Böden in der Marsch erzeugt wurden, und importierte im Gegenzug Objekte des gehobenen Lebens- und Wohnkultur, vor allem auch  Möbel. So ist er auch ein Zeugnis für den großen kulturellen Einfluss der Niederlande auf Dithmarschen, der durch die regen Handelsbeziehungen begünstigt wurde."

Der Schrank ist aus massivem Eichenholz gearbeitet und mit reichen Schnitzereien versehen. Der Aufbau ist dreigeschossig: über einem schmalen Sockelgeschoss mit Schubladen erhebt sich das Hauptgeschoss mit zwei Türen. Darüber ein niedrigeres Geschoss, das ebenfalls zweitürig ist, den Abschluss bildet ein reich mit Reliefschnitzerei versehenes Gesims.

Mit dem klaren architektonischen Aufbau und dem ge-schnitzten Dekor, deren auffälligster Teil die drei Löwen im Sockelgeschoss sind, gehört der Schrank zu einem Typus, der an der gesamten Westküste Schleswig-Holsteins vertreten war, von denen es jedoch nur noch wenige Originale gibt. Allein die Sammlung des Museumsbergs Flensburg  beherbergt zwei sehr ähnliche Stücke, die von Föhr beziehungsweise der Hallig Langeneß stammen.

Im Dithmarscher Landesmuseum befand sich bereits vor dieser Neuerwerbung ein ähnlicher Schrank, der jedoch sehr stark ergänzt und restauriert ist. Die Neuerwerbung zeichnet sich besonders durch ihren weitestgehend originalen Erhaltungszustand.

Museumsleiterin Dr. Jutta Müller: "Es ist die seit 1895 gut dokumentierte Geschichte dieses Möbels, die ihn für ein Museum so wertvoll macht."

www.landesmuseum-dithmarschen.de

www.dithmarschen.de

 

23.03.2011
Autor/in: Pressestelle
Quelle: Kreis Dithmarschen

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