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Kreis Dithmarschen: Mehr Zeit für Mündel

HEIDE (pid). „Solange du die Füße unter unseren Tisch stellst, machst du, was wir sagen.“ Diesen oder einen ähnlichen Satz haben die meisten schon gesagt bekommen, oft in ziemlich unangenehmen Situationen und mit deutlicher Aussprache. Doch es gibt Umstände, da liegt die Personensorge nicht bei den Menschen, in deren Haushalt sich besagter Tisch befindet, sondern beim zuständigen Jugendamt. Allein im Kreis Dithmarschen leben derzeit 200 Mündel, bei denen das Jugendamt zum Vormund oder Pfleger bestellt ist, manchmal bereits vor der Geburt des Kindes. Mit einem eigenen Team für Amtsvormundschaften und Pflegschaften gehört der Flächenkreis Dithmarschen zu den Vorreitern in Schleswig-Holstein. Landrat Dr. Jörn Klimant: „Hier geht es um die positive Entwicklung junger Menschen. Das kann ein Außendienstler nicht nebenbei erledigen.“
 
Aufgaben, die früher und andernorts noch heute von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen en passant im Rahmen ihres Tagesgeschäftes wahrgenommen wurden, widmet ein speziell abgestelltes Team nun seine volle Aufmerksamkeit. Die Zeit von dem einen Amtsvormund, der im Kreishaus saß und für alle zuständig war, ist vorbei. Der Gesetzgeber fordert eine persönliche Beziehung, in der auch das Mündel ein Mitspracherecht hat.
 
Arne Carlsdotter, Geschäftsbereichsleiter für Familie, Soziales und Gesundheit, begrüßt die neue Aufmerksamkeitsökonomie: „Im Kreis Dithmarschen stehen wir vor ganz besonderen Herausforderungen. Hier sind überproportional viele Menschen in Einrichtungen untergebracht und es gibt viele Sorgerechtsentzüge. Als rechtliche und tatsächliche Vertreter der Interessen der Minderjährigen haushalten wir mit unserer Aufmerksamkeit ganz im Sinne der gesetzlichen Veränderung des Vormundschaftsrechtes. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich um ihre 50 Pflegschaften und Vormundschaften. Konflikte innerhalb des Jugendamtes tragen wir für unsere Mündel ganz pragmatisch aus.“
 
Während für minderjährige Mütter per Gericht automatisch das Jugendamt zum Vormund bestellt wird, sind in anderen Fällen die Elternrechte nur eingeschränkt. „Dabei“, so Fachdienstleiter Bernd Holtschneider, „handelt es sich dann um eine Pflegschaft.“ Unterschieden wird unter anderem zwischen Personensorge und Vermögenssorge, zwischen Mündel und Pflegling. Ist der Anlass für eine Pflegschaft nicht mehr gegeben, weil die Eltern oder ein Elternteil etwa bestimmten gesetzlichen Aufgaben nachgekommen sind, wird die Akte geschlossen und – so will es der Gesetzgeber – für 30 Jahre nach dem Erreichen der Volljährigkeit archiviert. Stefan Graff: „Wenn ich heute mit einem 14jährigen Mündel spreche, wird diese sozialdatengeschützte Gesprächsnotiz 2046 geschreddert.“
 
Bevor das fünfköpfige Dithmarscher Jugendamtsteam, das vier Vollzeitstellen bekleidet, seine neuen Aufgaben wahrgenommen hat, ging es nach Bad Honnef zur Schulung.  Während die Rheinländer Altweiberfastnacht 2012 feierten, drückten die Kolleginnen und Kollegen aus dem nördlichsten Bundesland die Schulbank. Das Programm war umfassend. Es reichte von Datenschutz bis zur Gesprächsführung, von Handlungskompetenz bis zum Verhältnis Allgemeiner Sozialer Dienst zu Amtsvormündern. Die Dozentinnen und Dozenten auf dem Weinsberger Forum kamen als Richter und Psychologen aus der Praxis.
 
Arne Carlsdotter: „Im Kreis Dithmarschen haben wir die Betreuung der Mündel durch persönlichen Kontakt und begrenzte Fallzahlen mit dem Jugendamt intensiviert. Das geschieht zum Wohle der Kinder. Nur so kann wirksamer Schutz rechtzeitig geleistet werden. Der Gesetzgeber hat aus der Vergangenheit gelernt und das Vormundschaftsrecht reformiert. Unser Jugendamt hat das Gelernte zügig umgesetzt.“


Team_Amtsvormundschaften_und_Pflegschaften
Zuständig für Amtsvormundschaften und Pflegschaften im Kreis Dithmarschenvon links nach rechts: Manfred Block, Ilse Jordan, Stefanie Lohnert, Stefan Graff und Irmtraut Kaschubowski
18.12.2012
Autor/in: Pressestelle
Quelle: Kreis Dithmarschen

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