Drucksache - 2022/1171  

Betreff: Fachkräftegewinnung im Bereich der frühkindlichen Bildung und Betreuung
Status:öffentlichDrucksache-Art:Informationsvorlage
Verfasser:Bianca Thomsen-Arndt
Federführend:Fachdienst Wirtschaftliche Jugendhilfe Bearbeiter/-in: Thomsen-Arndt, Bianca
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Information
18.05.2022 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses - abgesagt -      
01.06.2022 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses (offen)   
29.06.2022 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses (offen)   

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n
Anlagen:
FörderrichtlinieFachkräfte_AusfertigungVIIM  
DV-35-20_Karrierewege_Kindertagesbetreuung_final  

Sachverhalt:

 

In der Vergangenheit der letzten Jahre, insbesondere aber im Kita-Reformprozess, wurde deutlich, dass der Fachkräftebedarf in Kindertageseinrichtungen nicht vollständig gedeckt ist. Mit dem Inkrafttreten des neuen Kindertagesförderungsgesetzes (KiTaG) wurden viele Einrichtungen und Kreise vor Herausforderungen gestellt, da sich der erforderliche Fachkräfteschlüssel von 1,5 auf 2,0 /Elementargruppe erhöht hat. Trotz der Tatsache, dass der Kreis Dithmarschen schon seit Jahren die personelle Qualität in Kindertageseinrichtungen mit 2 Fachkräften/Gruppe besonders gefördert hat und die Einrichtungen hier im Kreisgebiet überwiegend auch personell entsprechend ausgestattet sind, ist aktuell deutlich zu erkennen, dass der Fachkräftemangel voranschreitet und auch das dauerhafte Halten des Personals Probleme bereitet. Die Anforderungen an den Beruf und die tägliche Arbeit nehmen immer mehr zu und die Entlohnung / Anerkennung steht dazu in keinem angemessenem Verhältnis.

 

Das Land Schleswig-Holstein hat im September 2021 bereits die Arbeitsgruppe "Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung und Betreuung" ins Leben gerufen und sich mit möglichen Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung in der frühkindlichen Bildung und Betreuung sowie Möglichkeiten der Fachschul- und Berufsfachschulverordnung sowie Kooperationsmöglichkeiten beschäftigt.

 

Nunmehr hat das Land Schleswig-Holstein ein Förderprogramm zur Fachkräftegewinnung aufgelegt (Anlage 1). Dem Kreis Dithmarschen wurden für insgesamt 12 Schülerinnen und Schüler (SuS), die im Rahmen einer PiA - Praxis-integrierte-Ausbildung gefördert werden können, Mittel in Höhe von 73.200 € zugeteilt. Hiermit sollte die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr, in dem diese SuS noch nicht auf den Fachkräfteschlüssel angerechnet werden können, finanziell unterstützt werden.  Die Höhe der Ausbildungsvergütung soll nach dem Förderprogramm 400,00 €/mtl. ab dem 2. Ausbildungsjahr betragen und es können die PiA-Schülerinnen und Schüler auf den Fachkraft-Kind-Schlüssel der Zweitkraft angerechnet werden, so dass dem Träger und der Kommune keine extra Kosten entstehen. Voraussetzung für die Umsetzung des Förderprogramms ist jedoch, der Nachweis eines Platzes an einer Fachschule für Sozialpädagogik.

 

Weitere 12.000 € stünden dem Kreis zur Verfügung, die für Qualifizierungsmaßnahmen von Personen, die mit einer ergänzenden 480 Stunden-Qualifizierung als Zweitkraft nach der PQVO in der KiTa eingesetzt werden können (z. B. Hebammen, Logopäd*innen, Physio- und Ergotherapeut*innen, …). 

 

Als Kreis Dithmarschen haben wir im Jahr 2019 im engen Kontakt mit dem BBZ in Meldorf feststellen müssen, dass zwar eine große Bereitschaft bestand, eine zusätzliche Klasse für Erzieher*innen und Erzieher im Rahmen der PiA - Praxis-integrierte-Ausbildung zu installieren, die Umsetzung aber an fehlenden Lehrkräften scheiterte.

 

Im Vorwege des Inkrafttretens der Landesförderrichtlinie wurde durch das KiTa-Referat mit dem BBZ Heide am 07.03.2022 ein Gespräch geführt, um die Möglichkeiten der Fachschule zu erörtern. Die Vertreter des BBZ teilten mit, dass

- aktuell 12 reguläre Fachkräfteklassen und eine zusätzliche Klasse für "Quereinsteiger" (installiert und finanziert durch das Jobcenter) beschult werden,

- weiterhin ein großes Interesse an der Erweiterung der Ausbildungs-/ Beschulungskapazitäten für Erzieher*innen und Sozialpädagogische Assistent*innen (SPA) besteht,

- keine zusätzlichen Klassen installiert werden können, da keine Lehrkräfte zur Verfügung stehen, und

- ein Bedarf an einer PiA-Klasse nicht spürbar ist, da in den regulären Erzieher-Klassen die Möglichkeit der Förderung durch das sog. "Meister-BAFöG" besteht und die SuS damit finanziell bessergestellt sind als durch eine PiA-Ausbildungsvergütung und ergänzend den SuS dann Ferienzeiten zur Verfügung stehen. Im Rahmen der PiA-Ausbildung bestünde nur der reguläre Urlaubsanspruch.

- Es bestehen noch Wartelisten für Erzieher-Klassen, so dass es nicht an Bewerber*innen* mangelt, die durch ein PiA-Förderprogramm "gelockt" werden müssten.

- Eine Kombination einer regulären Erzieher-Fachschulklasse mit PiA-Schülern und Schülerinnen ist nicht möglich, da die Zeiten des Praxiseinsatzes und des Blockunterrichts voneinander abweichen. 

 

Zusammenfassend musste festgestellt werden, dass die Fachschule für Sozialpädagogik am BBZ Heide keine entsprechenden Schulplätze zur Verfügung stellen kann, um mit dem Kreis Dithmarschen gemeinsam das Landesförderprogramm umzusetzen.

 

Da nach der Förderrichtlinie auch kreisübergreifende Kooperationen zwischen Kreis und Fachschule eines anderen Kreises möglich ist, wurde seitens des KiTa-Referats Kontakt zu den Kreisen Steinburg und Nordfriesland aufgenommen. Auch in diesen Kreisen konnten keine Erzieher-Klassen gebildet werden.

 

Auch konnte das BBZ bisher keine 480-Stunden-Qualifizierung nach der PQVO anbieten.

 

Es musste daher dem Sozialministerium mitgeteilt werden, dass eine Umsetzung des Förderprogramms zum Schuljahr 2022/23 nicht machbar ist und die Fördermitteln in diesem Jahr nicht in Anspruch genommen werden können. Es wurde durch das KiTa-Referat dem Sozialministerium die Umsetzungsproblematik ausführlich geschildert, da weiterhin das Ziel der Fachkräftegewinnung beiderseits besteht. Das Sozialministerium wird aufgrund der gleichgelagerten Problematik in Dithmarschen Steinburg, Nordfriesland, Ostholstein und Plön die Möglichkeiten im Rahmen der Schulleiterkonferenzen und über das Schleswig-Holsteinische Institut für berufliche Bildung nochmals prüfen. Das Förderprogramm ist bis mindestens 2026 vorgesehen.

 

Über landesweiten Arbeitskreis KiTaG und den Landkreistag sind auch 2 Vertreter der Kreise in der Arbeitsgruppe "Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung und Betreuung" vertreten. Auch hier ist das Problem des Lehrkräftemangels an der Westküste Schleswig-Holsteins schon thematisiert worden mit der Forderung an das Land, hierzu entsprechend gegensteuernde Maßnahmen zu ergreifen.

 

Seitens der Kreiselternvertretung wurde das Maßnahmenpaket des Kreises Segeberg bekannt gegeben, mit dem ein Impuls zur Bekämpfung des Fachkräftemangels gesetzt wurde. Das Maßnahmenpaket sieht folgende Leistungen vor:

- Einmalig 1.000 € für Fachkräfte, die ihre Ausbildung ab 2022 abschließen und im Anschluss eine Tätigkeit in einer Kita im Kreis Segeberg aufnehmen und ihre Probezeit erfolgreich abschließen.

- Einmalig 2.000 € für Kita-Träger, die im Rahmen des PiA-Förderprogramms Ausbildungsverträge abschließen.

 

Inwieweit diese Maßnahmen im Kreis Segeberg tatsächlich dem Fachkräftemangel entgegenwirken bleibt aus Sicht des Kita-Referats fraglich und abzuwarten. Einmalzahlungen sind oftmals nicht nachhaltig und zielführend.

 

Es wird hier aufgrund vermehrter Gespräche mit verschiedenen Beteiligten vor Ort deutlich, dass viele "Neueinsteiger*innen" sich den Anforderungen einer Erstkraft mit hoher Verantwortung nicht mehr gewachsen fühlen. Eine Unterstützung vor Ort/enge Begleitung durch erfahrene Mentoren/Anleiter wäre aus fachlicher Sicht sehr zu begrüßen, um sozusagen das fehlende Anerkennungsjahr auszugleichen.

 

Vorgeschlagen wird seitens des KiTa-Referats eine Um-/Abfrage bei den Erzieher*innen-Abschlussklassen durchzuführen (ggf. als Forschungsprojekt der FH), um den tatsächlichen und aktuellen Bedarf zu prüfen und dann mit geeigneten Fördermaßnahmen der Fachkräftesicherung im KiTa-Bereich zu begegnen. 

 

Ergänzend werden die „Empfehlungen des Deutschen Vereins für eine qualifizierte Berufseinmündung in das Arbeitsfeld Kindertageseinrichtung und die Eröffnung von Karrierewegen“ vom 23.03.2022 (s. Anlage 2) im weiteren Verlauf der Fachkräftegewinnung ausgewertet und mögliche Aspekte berücksichtigt.

 


 


 

Finanzielle Auswirkungen

Ja

 

 

Nein

X

 

 

 

 

 

 

Falls ja:

 

 

 

 

 

Im Haushaltsplan berücksichtigt

Ja

 

 

Nein

 

 

 

 

 

 

 

Freiwillige Aufgabe/Maßnahme

Ja

 

 

Nein

 

 

 

 

 

 

 

 

Ergebnisplan/Finanzplan

Produkt-Nr.

 

Produkt-Name

 

 

Ertrag

Euro

Einzahlungen

Euro

 

 

 

 

zusätzlich / neu

 

zusätzlich / neu

 

 

Aufwand

Euro

Auszahlungen

Euro

 

 

 

 

zusätzlich / neu

 

zusätzlich / neu

 

 

 

Saldo

 

Saldo

 

 

Ein negativer Saldo wird finanziert durch:

(Beschreibung der konkreten strukturellen - Einsparungsmaßnahmen/Mehrerträge)

 

 

 

 

Auswirkung auf Stellenplan

Ja

 

 

Nein

 

 

 

 

 

 

 

 

Stellenmehrbedarf: (z. B. 0,5 VK, EG ___/A___)

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Anlagen

  1. rderrichtlinie des Landes zur Fachkräftegewinnung
  2. Empfehlungen des DV v. 23.03.2022  

 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 FörderrichtlinieFachkräfte_AusfertigungVIIM (4541 KB)      
Anlage 2 2 DV-35-20_Karrierewege_Kindertagesbetreuung_final (214 KB)